Unser Informationsservice zum Thema
CLUSTER-KOPFSCHMERZ
12
Kopfschmerzsyndrome
12.1
Migräne
12.2
Spannungskopfschmerz
12.3 Cluster-Kopfschmerz
Der Clusterkop fschmerz gehört zur Gruppe der sog. trigeminoautonome n Kopfschmerzen. Nach der Definition gehen diese attackenartigen Kopfsch merzen mit einseitigen trigeminalen (= das Ausbreitungsgebiet des Nervus trigeminus betreffend) Schmerzen und obligaten (= unerläßlichen) autonomen (= unabhängigen, selbständigen) Begleitsymptomen (= begleitenden Krankheitszeichen) einher.
Der CLUSTER-KOPFSCHMERZ, auch als Erythrop rosopalgie oder Bi ng-Hor ton-Kopfschmerz bezeichnet, kommt selten vor, betroffen sind etwa ein Prozent der Bevölkerung.
Der
Cl
us
ter
kopfschmerz
tritt etwa 10 mal seltener als die
Migräne auf. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen (im Verhältnis
3:1). Die Krankheit beginnt in der Regel im mittleren und höheren Lebensalter.
Bei 20 % der Patienten finden sich andere
Kopfschmerzanfälle
in der Familie, bei 7% der Fälle leiden Familienangehörige ebenfalls unter einem
Cl
usterkopfschmerz.
Die Ätiologie
(= Krankheitsursache) des
Cl
usterkopfschmerz
es
ist unbekannt. Es wird eine Störung im Hypothalamus
(= Teil des Zwischenhirns)
vermutet (Mumenthaler 2002).
Es gibt Hinweise darauf, daß eine biologische Rhythmusstörung vorliegt, die sich
in einer gehäuften Frequenz von
Cl
usterkopfschmerz
-Episoden im Frühjahr und Herbst
zeigt. Auch ist die zirkadiane
(= den 24 Stunden Rhythmus
betreffende) Hormonausschüttung
gestört.
Der Cl usterkopfschmerz tritt hpts. in zwei Formen auf:
Die Symptome (= Krankheitszeichen) beim Cl usterkopfschmerz (chronischer und episodischer) führen manchmal zur einer Verwechslung mit der Trigeminusneuralgie, aber auch mit der Migräne.
Hauptsymptom
(= vorherrschendes
Krankheitszeichen) beim
Cl
usterkopfschmerz
ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(=
Stirn
-/
Schläfenbereich
betreffend) in Attacken und
vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend
angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und
Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der Pupille
und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie
Nase
nträufeln als
Begleiterscheinungen. Manchmal treten auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu
Verwechslungen mit der
Migräne führen
kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten mit
Cl
usterkopfschmerz
(chronischer und episodischer) eher unruhig und laufen während einer
Schmerzattacke
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern. Der
einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminus-Neuralgie
Anlaß geben.
Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer- und
Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, H istamin und Nitroglyzerin, öfters
aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von
Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die
Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Bezüglich der Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung)
scheint bei diesem
Schmerzsyndrom dem
His tamin
eine besondere Rolle zuzufallen.
Therapie bei Cluster-Kopfschmerz (chronischer und episodischer):
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß ein
episodischer Cl
usterkopfschmerz
schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange
schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerzform. Ein chronischer
Cl
usterkopfschmerz
kommt eher seltener vor.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kopf
schmerzen ist es
auch beim Cl
usterkopf
schmerz oftmals
erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander
auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Medikamentöse Schmerzbehandlung der akuten Clusterattacke:
Wegen der häufig kurzzeitigen Attackendauer
kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten
wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale
(= Zäpfchen)
Verabreichung von z.B. Ergotam
in ist daher nur bei längerer
Anfallsdauer sinnvoll.
Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode
zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist
nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum
häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke
spricht der akute Cl
usterkopfschmerz
in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) an. Bewährt hat
sich die Betäubung der schmerzseitigen
Nerven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im
Stirn
- /
Schläfenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5%. In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem
Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur
unter stationären Bedingungen durchführbar ist.
Wiederholte Blockaden des
Ganglion stellatum
(= vegetative
Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
können ebenfalls sehr hilfreich sein. Gleiches gilt für das
Ganglion cervicale superius
(= vegetative
Schaltstelle im
Rachenbereich),
diese Blockade erfolgt allerdings in Form der
GLOA
(=
ganglionäre Opiodanalgesie).
Empfohlen wird auch eine nasale
(= in die Nase)
Instillation von 1 ml 2%iges (noch besser 5%iges) Lidocain bei 45 Grad
rekliniertem (= überstrecktem) und 30-40 Grad zur
betroffenen Seite rotiertem
(= gedrehtem)
Kopf (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist beim
Cl
usterkopfschmerz
(chronischer und episodischer) auch
Ergotam in. Nachteilig ist, daß sich
bei häufigem Gebrauch ein ergotaminbedingter
Dauerkopfschmerz (Ergotamin-Kopfschmerz)
ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol.
Das
Migränemittel
Sumatriptan (aber auch Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan,
Almotriptan, Frovatriptan
oder Eletriptan)
ist auch beim
Cl
usterkopfschmerz
sehr wirksam, insbesondere zum schnelleren Wirkungseintritt unter die Haut
gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor, vom Patienten selbst injizierbar, oder
als
Nase
n-Spray), ansonsten 100mg oral
(= durch den Mund).
Beim Wiederauftreten von
Schmerz
en
maximal zwei Applikationen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des
relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane) allerdings erst
dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg
bringen.
Cluster- Kopfschmerzprophylaxe (= Kopfschmerzvorbeugung):
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil
(= eigentlich ein Mittel gegen
hohen Blutdruck, aber auch bei diesem Schmerz wirksam).
Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der
Wirkungsmechanismus von Verapamil bei
Cl
usterkopfschmerz
ist unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei
Cluster-Kopfschmerz (chronischer und episodischer) mit gutem
Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag
(und mehr), initial
(= anfänglich) unter
ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann beim Cluster-Kopfschmerz
Lithium empfohlen werden
(= eigentlich ein Mittel gegen
die Depression, aber auch zur Vorbeugung bei Cluster-Kopfschmerz wirksam).
Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Cl
usterkopfschmerz
wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung
versucht werden, z.B. mit Prednisolon. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5-
8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann bei dieser Erkrankung auch zur
Kopfschmerzprophylaxe
verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Vorbeugung dieser
Schmerzen
regelmäßig täglich
Ergotam
in zu
verabreichen. Wegen der Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit
die gefürchteten
Ergotaminkopfschmerz
en
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden. Nicht zu unterschätzen ist
auch ein
Ergotismus.
Zur Schmerzprophylaxe (= Vorbeugung von Schmerzen) hat sich auch die wiederholte Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetica) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopf region Schmerz en angegeben; in diesem Fall blockieren wir dann auch die Nerven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen beim Cluster-Kopfschmerz:
Anders als z.B. bei der Migräne spielen beim Cl usterkopfschmerz (chronischer und episodischer) psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung ein Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben beim Cl usterkopfschmerz (chronischer und episodischer) nur selten einen positiven Effekt.
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Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation, weil damit die betroffenen Patienten oftmals überhaupt erst in einen rehabilitationsfähigen Zustand gebracht werden können. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Wußten Sie schon,
daß laut Bundesregierung alle gesetzlich krankenversicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine
Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst
aussuchen können - Lesen Sie dazu die Ausführungen des Bundesministeriums für
Gesundheit:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
(einfach anklicken)
a
Ist eine Rentenversicherung Kostenträger, besteht diese Wahlmöglichkeit jedoch nicht,
aber:
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen.
Danach hat ein Schmerzpatient
ein Recht darauf, in einer
schmerztherapeutischen Klinik
behandelt zu werden.
Hier
gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik). Mittlerweile gibt es diesbezüglich
zwei weitere Urteile, so vom
Landessozialgericht Hamburg:
http://www.schmerz.com/schmerzen/sozialgericht2
(Pressekommentar dazu:
https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik)
und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in
nur 23 (!!) Tagen:
www.schmerz.com/schmerzen/sozialgericht1.
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aktualisiert: >12.10.2007</> k u www.cluster-kopfschmerz.org
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